"Warum bin ich eigentlich für alles zuständig?“ Diese Frage kennen viele Frauen aus ihrem Alltag. Über 70 Gäste kamen am 23. Oktober ins Landratsamt Landsberg am Lech. Dort sprach Bestsellerautorin und Mental-Load-Expertin Laura Fröhlich über die oft unsichtbare Belastung durch Familien- und Sorgearbeit.
Unter dem Titel „Miss Perfekt kann mich mal!“ zeigte Fröhlich, wie viel Denkarbeit hinter der Organisation des Alltags steckt. Termine planen, an alles denken und den Überblick behalten: Diese ständige Verantwortung heißt Mental Load. Sie liegt häufig bei Frauen.
Warum sieht die Frau die ungewaschene Wäsche und der Mann den platten Fahrradreifen? Fröhlich erklärte das mit dem Begriff „Affordanz“ des Psychologen James J. Gibson. Wir sehen dieselben Dinge, fühlen uns aber für unterschiedliche Aufgaben zuständig. Welche Aufgaben wir übernehmen, hängt oft davon ab, was wir gewohnt sind und welche Rollenbilder uns prägen.
Eine wichtige Botschaft des Abends: Niemand ist ständig für die Gefühle anderer erwachsener Menschen verantwortlich. Wer immer versucht, es allen recht zu machen, verliert leicht die eigenen Bedürfnisse aus dem Blick. Fröhlich verglich Selbstfürsorge mit den Sicherheitsregeln im Flugzeug: Erwachsene setzen zuerst ihre eigene Sauerstoffmaske auf, bevor sie ihren Kindern helfen. Im Alltag gilt es deshalb, die eigenen Grenzen zu achten.
Fröhlich gab praktische Anregungen. Bei der „Ta-da-Liste“ wird abends festgehalten, was bereits geschafft wurde – im Beruf, bei der Sorgearbeit und für sich selbst. Ein kurzer Check am Morgen hilft, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen: Wie geht es mir heute? Was brauche ich? Die „Wenn-dann-Regel“ kann Pausen zur Gewohnheit machen: Wenn das Baby schläft, gönne ich mir zuerst eine Pause. Der Haushalt kann warten.
Für eine faire Verteilung der Familienarbeit empfahl Fröhlich ein regelmäßiges „Küchenmeeting“. Dabei besprechen die Familienmitglieder, welche Aufgaben anstehen und wer die Verantwortung übernimmt. Entscheidend ist, die gesamte Verantwortung zu teilen und unterschiedliche Vorstellungen bei der Erledigung zu akzeptieren.
Fröhlich machte deutlich: Persönliche Strategien allein reichen nicht aus. Es braucht eine gerechtere Verteilung unbezahlter Sorgearbeit und bessere gesellschaftliche Rahmenbedingungen.
Für die Kommunale Gleichstellungsbeauftragte Susanne Stegmaier bleibt die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Care-Arbeit deshalb ein wichtiges Handlungsfeld. Eine faire Verteilung der Sorgearbeit ist entscheidend für die tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern. Sie prägt zugleich, welche Rollenbilder Kinder im Familienalltag erleben. Weil wichtige Rahmenbedingungen vor Ort gestaltet werden, ermutigte Stegmaier Frauen, sich in der Kommunalpolitik zu engagieren. Gemeinsam mit dem Familienpakt Bayern und der Wirtschaftsförderung setzt sich die Gleichstellungsstelle für familienfreundliche Arbeitsbedingungen im Landkreis ein. Diese können die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern und zur Bindung von Beschäftigten beitragen.
Wie sehr das Thema die Gäste beschäftigte, zeigte sich nach dem Vortrag. Viele Besucherinnen tauschten sich noch lange über ihre Erfahrungen aus. Laura Fröhlich nahm sich viel Zeit für persönliche Fragen und Gespräche.
Veranstaltet wurde der Abend von der Kommunalen Gleichstellungsstelle des Landkreises Landsberg am Lech und KoKi – Netzwerk frühe Kindheit. Der Vortrag war das Highlight des Begleitprogramms der Fotoausstellung „Faces of Moms“. Diese wurde von der Kommunalen Gleichstellungsstelle und der Schwangerschaftsberatungsstelle des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) Landsberg im Rahmen der Woche der seelischen Gesundheit im Landkreis Landsberg am Lech präsentiert.
Fotos: Landratsamt