Global denken, vor Ort handeln

Netzwerktreffen "Globales Engagement"

Armut bekämpfen, Bildung ermöglichen, die Gesundheitsversorgung verbessern und Frauen stärken: Die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen standen im Mittelpunkt des „Netzwerktreffens Globales Engagement“ im Landratsamt Landsberg. Die Koordinierungsstelle Kommunale Entwicklungspolitik hatte Bürgerinnen und Bürger sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Vereinen eingeladen. Diese hatten auch die Möglichkeit, ihr Wissen bei einem Quiz zu testen, das zwei Auszubildende des Landratsamts organisiert hatten. 

Zum Auftakt erläuterte Professor Dr. Andreas Fieber von der TH Rosenheim, Campus Burghausen, die Bedeutung der sogenannten Sustainable Development Goals (SDGs). Die Ziele wurden 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedet und sollen bis 2030 erreicht werden. Fieber zeigte anhand der Länder Kamerun, Demokratische Republik Kongo und Tansania, wie unterschiedlich die Voraussetzungen für deren Umsetzung sind. Besonders in der Demokratischen Republik Kongo besteht unter anderem bei der Bekämpfung der Armut großer Handlungsbedarf.

Fieber stellte außerdem verschiedene Instrumente vor, mit denen die Europäische Union zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele beiträgt. Dazu gehören neben finanzieller Förderung, Investitionen, Handel und Partnerschaften auch Regelungen für Unternehmen. Als Beispiele nannte er den EU-Klimazoll (CBAM), durch den bei bestimmten Importen die mit der Herstellung verbundenen CO₂-Emissionen berücksichtigt werden, sowie das EU-Entwaldungsgesetz (EUDR). Es soll verhindern, dass Produkte wie Kaffee, Kakao, Soja, Palmöl, Holz oder Rindfleisch auf den europäischen Markt gelangen, wenn für ihre Herstellung Wälder nach dem festgelegten Stichtag entwaldet oder geschädigt wurden.

Ausbildung als Chance

Wie aus einem globalen Ziel ein konkretes Projekt werden kann, zeigte Clémence Labrentz, Gründerin und Vorsitzende von Wings for Africa e. V. Der Verein hat in der Nähe der kamerunischen Hauptstadt Jaunde eine Berufsschule aufgebaut. Jugendliche können dort unter anderem Elektrik, Solartechnik, Schreinerei und Schneiderei lernen. Auch IT-Kenntnisse werden vermittelt.

Die Ausbildung soll jungen Menschen berufliche Perspektiven eröffnen und ihnen ermöglichen, künftig für den eigenen Lebensunterhalt und ihre Familien zu sorgen.

Frauen stärken, Ernährung sichern

Um ein Projekt von LandsAid in der Demokratischen Republik Kongo ging es im nächsten Vortrag. In den Gemeinden Ihanga und Kiomvu in Süd-Kivu werden Maßnahmen zur Ernährungssicherung mit der Stärkung von Frauen verbunden.

Frauen erhalten Wissen, Möglichkeiten zur Einkommensgenerierung und mehr Einfluss auf Entscheidungen. Gleichzeitig spielen Gesundheitsversorgung und die Stärkung lokaler Strukturen eine wichtige Rolle. Damit werden mehrere Nachhaltigkeitsziele miteinander verbunden – von „Kein Hunger“ über Gesundheit bis zur Geschlechtergleichheit.

Partnerschaft mit Newala

Miriam Anton, Koordinatorin für Kommunale Entwicklungspolitik stellte anschließend die Partnerschaft des Landkreises Landsberg mit dem Distrikt Newala in Tansania vor. Ziel ist es, gemeinsam die Lebensbedingungen vor Ort zu verbessern und zugleich die Verbindung zwischen beiden Regionen zu stärken. Die Partnerschaft wird durch den von Bürgermeister Christoph Heumos gegründeten Freundschaftsverein unterstützt. 

Zu den Themen der Partnerschaft gehören Bildung, Gesundheit und die Bekämpfung von Armut. Vorgestellt wurde unter anderem ein genossenschaftlich organisiertes Bio-Landwirtschafts-Projekt. Auch die medizinische Versorgung soll weiter verbessert werden. Durch Gelder des BMZ konnte im Distrikt Newala der Bau eines Kreißsaals mit OP finanziert werden. Zusätzlich konnte die Koordinatorin rund 700.000 Euro an Mitteln für die Ausstattung von Krankenhäusern und Dispensaries akquirieren. Betten, Sauerstoffgeräte, Brutkästen, chirurgische Instrumente und vieles mehr sind bereits in Newala angekommen, und können dazu beitragen Menschenleben zu retten. 

„Diese Partnerschaft ist heute wichtiger denn je. Denn wir brauchen Solidarität und Menschlichkeit“, sagte Miriam Anton. Nachhaltige Entwicklung bedeute auch, die vorhandenen Ressourcen gerecht zu verteilen und die natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten.

Fotos: Lukas Klocker

 

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