Großen Anklang fand die Fachveranstaltung „Was bedeutet LGBTIQ+?“, die am 29.01.2026 im Sitzungssaal des Landratsamtes Landsberg am Lech stattfand. Zahlreiche Mitarbeitende aus dem psychosozialen und pädagogischen Bereich nahmen teil, ebenso ein Bürgermeister sowie weitere interessierte Gäste. Bereits das interaktive Warm-up-Quiz verdeutlichte die gesellschaftliche Relevanz des Themas: Zwischen 7,4 und 12 Prozent der Menschen in Deutschland zählen sich zur LGBTIQ+-Community. Auch rechtliche Entwicklungen wurden aufgegriffen – so sind uneingewilligte Operationen an inter Kindern seit 2021 gesetzlich verboten*. Eine weitere Quizfrage sorgte für Aufmerksamkeit: In Deutschland gibt es vier mögliche Geschlechts-einträge im Personalausweis – weiblich, männlich, divers und ohne Angabe.
Zentraler Bestandteil der Veranstaltung war die Auseinandersetzung mit Cis-Heteronormativität – also der gesellschaftlichen Annahme, dass es ausschließlich zwei Geschlechter gibt und alle Menschen cisgeschlechtlich und heterosexuell sind. Die Referierenden zeigten auf, wie diese tief verankerten Normvorstellungen zu Ausgrenzung, Diskriminierung und erheblichem Leidensdruck bei queeren Menschen führen können. Diese Annahmen wirken häufig unsichtbar, haben jedoch sehr reale und belastende Folgen. Anhand des anschaulichen Genderbread Person wurden die Zusammenhänge zwischen bei der Geburt zugewiesenem Geschlecht, Geschlechtsidentität, Geschlechtsausdruck sowie sexueller und romantischer Orientierung verständlich erklärt. Deutlich wurde dabei auch: Queer zu sein ist keine Entscheidung.
Eine wichtige Frage aus dem Publikum lautete, ab welchem Alter sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität bewusst werden. Studien zeigen, dass 16 Prozent (sexuelle Orientierung) bzw. 28 Prozent (geschlechtliche Identität) angeben, dies schon immer gewusst zu haben; ein weiterer deutlicher Erkenntnis-Peak liegt in der Pubertät. Die hohe Belastung queerer Menschen wurde durch aktuelle Zahlen untermauert: Die HAY-Studie 2023 ergab, dass 94 Prozent der queeren Jugendlichen in Bayern mindestens einmal Diskriminierung aufgrund ihrer sexuellen und/oder geschlechtlichen Identität erfahren haben. Mit 55,7 Prozent wurde die Schule dabei am häufigsten als Ort der Diskriminierung genannt. Zusätzlich wurde auf den starken Anstieg queerfeindlicher Straftaten in Deutschland hingewiesen: Innerhalb von zehn Jahren stieg die Zahl der erfassten Fälle von 240 auf 1.785 – ein Anstieg um rund 644 Prozent.
Die Referierenden machten deutlich, dass diese Erfahrungen mit gravierenden Folgen verbunden sein können – bis hin zu erhöhtem Suizidrisiko. Umso wichtiger seien Sensibilität im Umfeld und gesellschaftliche Verantwortung. Vorgestellt wurden konkrete praktische Handlungsmöglichkeiten, darunter:
- Sensibilisierung und Reflexion der eigenen Haltung
- gendersensible bzw. genderneutrale Ansprache
- Pronomen nennen und respektvoll nachfragen, etwa: „Wie darf ich dich ansprechen?“
- erfahrbare Willkommenskultur und Schutzräume
Abschließend wurden Anlaufstellen für queere Menschen und ihre Angehörigen benannt, darunter VIDA e.V. Landsberg, die LGBTIQ+-Beratungsstelle Oberbayern, die Kommunale Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises sowie Netzwerke wie das Queere Netzwerk Bayern. Die Fachveranstaltung wurde in Kooperation von VIDA Landsberg e.V., der LGBTIQ+-Beratungsstelle Oberbayern und der Kommunalen Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Landsberg am Lech durchgeführt. Die sehr positive Resonanz zeigte deutlich den hohen Bedarf an Aufklärung, Austausch und Fortbildung zu diesem Thema.
Foto Leitenstorfer von links: Anna Kohlhund (LGBTIQ+ Beratungsstelle Oberbayern), Lino Sliwinski (Vida Landsberg e.V), Susanne Stegmaier (Kommunale Gleichstellungs-beauftragte), Tori Bartl (Vida Landsberg e.V.)

