„Von der Pharaonin zum Heimchen am Herd“

Susanne Stegmaier

Helma Sick begeistert mit historischem Streifzug durch Frauen und Finanzen

Im Rahmen des „Festival der Möglichkeiten“ rund um den Weltfrauentag lud die Kommunale Gleichstellungsstelle zu einem hybriden Vortrag mit der Finanzexpertin Helma Sick ein. Zahlreiche Interessierte verfolgten die Veranstaltung vor Ort im Landratsamt sowie online. Die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes nahm ihr Publikum mit auf einen pointierten und zugleich unterhaltsamen Streifzug durch die Geschichte von Frauen und Geld – und machte deutlich, wie tief die Wurzeln finanzieller Ungleichheit reichen. An ausgewählten Beispielen zeigte Sick, dass wirtschaftliche Selbstbestimmung von Frauen keine lineare Erfolgsgeschichte ist, sondern von Brüchen und Rückschritten geprägt war. Zugleich wurde deutlich: Einzelne Frauen konnten sich trotz struktureller Hürden durchsetzen und mit Raffinesse und unternehmerischem Geschick beachtliche Vermögen aufbauen – Ausnahmen, die die Regel bestätigen.

So verwies sie etwa auf frühe Gesellschaftsformen, in denen Besitz über die weibliche Linie vererbt wurde, sowie auf das Mittelalter, in dem Frauen als Handwerkerinnen oder Meisterinnen eigenständig wirtschafteten – auch, weil infolge der Pest mehr Männer als Frauen starben. Demgegenüber stehen Entwicklungen wie die Hexenverfolgung, von der insbesondere wohlhabende Witwen aufgrund ihres Vermögens betroffen waren. Auch in der neueren Geschichte wurden Frauen systematisch aus wirtschaftlicher Eigenständigkeit gedrängt, etwa durch Rollenbilder im Nationalsozialismus, die Frauen auf die Rolle der Hausfrau reduzierten und ihre Erwerbstätigkeit unter anderem durch das sogenannte Ehemannsdarlehen gezielt zurückdrängten.

Dass diese historischen Prägungen bis heute nachwirken, wurde im Vortrag ebenso deutlich: Erst 1962 erhielten Frauen in der Bundesrepublik Deutschland das Recht, ein eigenes Bankkonto zu eröffnen – in der DDR hingegen war dies bereits ab 1949 selbstverständlich möglich. Bis heute bestehen strukturelle Ungleichheiten fort. Deutschland liegt laut internationalen Vergleichsstudien – unter anderem im Kontext der OSZE – bei der wirtschaftlichen Gleichstellung von Frauen weiterhin hinter vielen anderen Ländern zurück. Ein Blick ins Ausland verdeutlicht den Handlungsbedarf: So wurde beispielsweise in Schweden das Ehegattensplitting bereits vor rund 50 Jahren abgeschafft.

Der Vortrag verband fundierte historische Einordnung mit anschaulichen Anekdoten und regte dazu an, bestehende Strukturen kritisch zu hinterfragen. „Die Beispiele aus der Geschichte machen deutlich, wie tief verwurzelt finanzielle Ungleichheiten sind – und dass Gleichstellung aktiv gestaltet werden muss“, betont Susanne Stegmaier, Kommunale Gleichstellungsbeauftragte. „Gerade deshalb ist es wichtig, Frauen in ihrer finanziellen Unabhängigkeit zu stärken und strukturelle Hürden weiter abzubauen.“

Im Anschluss nutzten viele Teilnehmende die Gelegenheit zum Austausch. Die Veranstaltung setzte damit ein wichtiges Zeichen im Sinne des Festival-Mottos „Gemeinsam feiern, stärken und gestalten“ und unterstrich die anhaltende Relevanz von Gleichstellungsarbeit.

Fotos: Leitenstorfer

 

 

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