Kürzlich wurde in der Gemeinde Scheuring im Rahmen des EU-geförderten INTERREG-Projekts „SOIL: Our Invisible Ally“ eine weitere Agroforst-Pflanzung umgesetzt. Auf der Kuhweide des Bio-Landwirts Michael Eisele wurden verschiedene Pappelsorten sowie Weiden gepflanzt, die künftig zur Strukturierung der Weide beitragen und gleichzeitig als zusätzliche Futterquelle für die Rinder dienen.
In den kommenden Jahren entstehen durch die schnellwachsenden Pappeln drei heckenartige Gehölzstreifen. Diese bieten den Tieren insbesondere in den Sommermonaten wertvollen Schatten. Angesichts zunehmender Hitzeperioden gewinnt dieser Aspekt weiter an Bedeutung: Rinder reagieren sensibel auf hohe Temperaturen, was sich negativ auf Futteraufnahme, Gesundheit und Leistungsfähigkeit auswirken kann. Agroforstsysteme leisten hier einen wichtigen Beitrag, indem sie nicht nur Schatten spenden, sondern durch Verdunstungseffekte auch die Umgebungstemperatur spürbar senken.
Neben der Verbesserung des Tierwohls erfüllen die Gehölzstreifen weitere zentrale Funktionen: Sie wirken als Windschutz, fördern die Biodiversität und tragen langfristig zur Bodenverbesserung bei. Das anfallende Holz der Pappeln kann zudem regelmäßig genutzt werden und schafft zusätzliche wirtschaftliche Perspektiven. Eine besondere Rolle kommt dabei der Pappel als sogenanntem „dienenden Baum“ zu. Sie sorgt für eine schnelle Strukturwirkung, unterstützt das Wachstum langsamer wachsender Wertholzbäume und ermöglicht ein gezieltes Lichtmanagement auf der Fläche. Durch gestaffelte Ernte und gezielten Rückschnitt kann das System flexibel weiterentwickelt und langfristig stabil gehalten werden.
Bereits im Herbst ist eine Ergänzung der Gehölzstreifen durch weitere Wertholz- und Obstbäume geplant. Diese erhöhen die ökologische Vielfalt zusätzlich und bieten unter anderem Nahrungsquellen für Insekten sowie langfristige Holzerträge. Die Kühe auf der Weide verfolgten die Pflanzaktion mit sichtbarer Neugier und werden schon bald von den neuen Strukturen profitieren. Umgesetzt wurde die Maßnahme in Kooperation mit Wolfram Kudlich von Wald21 (https://wald21.com/), der seit rund 18 Jahren Agroforstsysteme plant und realisiert. Das Projekt zeigt beispielhaft, wie sich moderne Landwirtschaft, Tierwohl und Klimaanpassung wirkungsvoll miteinander verbinden lassen.
Fotos: Leitenstorfer

