Fair Fashion Week im Landkreis- Vorträge im Klostereck

Doreen Löwenstein
Sebastian Schiller

Textil-Experten Sebastian Schiller und Doreen Löwenstein klärten auf

Textil-Experten Sebastian Schiller und Doreen Löwenstein klärten im Rahmen der Fashion Week über nachhaltige Modeproduktion und Siegel auf und fordern ein Umdenken in der Bekleidungsindustrie. Die Herstellung eines T-Shirts verbraucht rund 3000 Liter Wasser- für die Bewässerung der Baumwoll-Pflanzen und fürs Waschen, Spülen und Färben. Das berichtete Sebastian Schiller, Textilunternehmer der Carson Company aus Dießen in seinem Vortrag „Fast Fashion versus Nachhaltige Mode-Produktion“ im Klostereck.  Doch nicht nur der Wasserverbrauch sei problematisch.

Viel gravierender sei die massive Wasserverschmutzung durch Pestizide, Bleichmittel und Färbechemikalien. Anhand von Beispielen aus Bangladesch schilderte Schiller drastische Zustände: Flüsse, die je nach Produktionscharge ihre Farbe wechseln – rot, grün oder blau. Gleichzeitig leiden Arbeiterinnen und Arbeiter unter gesundheitsschädlichen Bedingungen, extrem langen Arbeitszeiten und Löhnen unter dem Existenzminimum. Ein tragisches Symbol dieser Missstände bleibt das Rana-Plaza-Unglück, bei dem über 1.100 Menschen ums Leben kamen. 

Ein vollständiger Boykott von Produktionsländern im globalen Süden sei jedoch keine Lösung. „Wenn wir einfach keine Aufträge mehr nach Fernost vergeben, verlieren viele Menschen ihre Existenzgrundlage“, erklärte er. Stattdessen brauche es einen Wandel innerhalb der bestehenden Strukturen. Ein Ansatz: bewusster Konsum. Weniger kaufen, dafür hochwertiger und langlebiger. Dass nachhaltige Textilproduktion möglich ist, zeigten Unternehmen wie das dänische Label Neutral. Es setze auf eine vollständig transparente Lieferkette in Südindien, bei der jeder Produktionsschritt zertifiziert ist. Mit dem „Tiger Cotton“-Programm unterstützt das Unternehmen zudem Baumwollbauern beim Umstieg auf Bio-Anbau. Auch konkrete Produktbeispiele nannte Schiller:  Arbeitskleidung aus reiner Baumwolle mit Oeko-Tex-Zertifizierung. Orientierung bieten Siegel wie GOTS, Fairtrade Cotton oder Oeko-Tex. Was die einzelnen Siegel wirklich bedeuten, veranschaulichte Doreen Löwenstein in ihrem Vortrag „Nachhaltige Kleidung erkennen: Stoffe, Siegel & Greenwashing“, der ebenfalls im Klostereck stattfand. 

Zu den seriöseren Siegeln zählt der Responsible Down Standard (RDS), der insbesondere beim Thema Daunen auf Tierwohl achtet. Auch der Global Recycled Standard sowie das Bluesign-Label gelten als wichtige Orientierungshilfen, so Löwenstein, da sie Umweltaspekte und Schadstoffvermeidung stärker berücksichtigen. Das EU Ecolabel hingegen bewerte ausschließlich die Umweltverträglichkeit von Produkten innerhalb der Europäischen Union – allerdings mit vergleichsweise weniger strengen Grenzwerten für Chemikalien. Sozialstandards spielten hier kaum eine Rolle.

Kritisch sieht Löwenstein die Better Cotton Initiative (BCI). Diese erlaube unter anderem den Einsatz von genmanipuliertem Saatgut und beschränke sich auf den Baumwollanbau. „Weder soziale Standards noch Umweltauflagen in der Weiterverarbeitung werden ausreichend berücksichtigt“, erklärte die Referentin. 

Greenwashing durch firmeneigene Labels

Große Modeketten wie Tchibo, Mango, C&A, H&M oder Primark werben häufig mit eigenen Nachhaltigkeitskennzeichnungen. Diese seien jedoch oft nicht unabhängig geprüft und daher kritisch zu hinterfragen. „Das ist klassisches Greenwashing – es schafft Vertrauen, ohne die nötige Transparenz zu liefern“, warnte Löwenstein. Weiter erläuterte sie: „Öko-Tex Standard 100 testet Schadstoffe in der Kleidung, deckt jedoch keine Sozial- oder Umweltstandards der Lieferkette ab. Die Siegel Fair Trade und Fair Wear setzen soziale Standards, aber übernehmen nicht automatisch Umweltstandards. 

Löwenstein empfiehlt daher vor allem das Siegel „Global Organic Textile Standard“ (GOTS): „Als unabhängige Non-Profit-Organisation bezieht es ökologische und soziale Kriterien bei der Herstellung von Textilien mit ein. Dabei unterliegt die gesamte Textil Lieferkette einem unabhängigen sowie transparenten Zertifizierungsprozess“.Die Textil-Expertin und Gründerin von Stoff Land Fluss trägt am liebsten ökologisch angebaute Baumwolle und Wolle. „Anders als Polyester-Stoffen gelangt dabei kein Mikroplastik ins Grundwasser.“ 

Fotos: Miriam Anton

 

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