Tag des offenen Denkmals am 13. September 2020

DER TAG DES OFFENEN DENKMALS am 13. September 2020 mit dem Thema

Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Neu denken.

findet in diesem Jahr digital statt

Seit dem Jahr 1993 ist in der Bundesrepublik wie auch in ganz Europa der 2. Sonntag im September ein besonderer Tag: Baudenkmale öffnen ihre Pforten zur größten Kulturveranstaltung Deutschlands. Den zahlreichen Besuchern wird dabei das Wissen um Geschichte und Erinnerung nahegebracht, ebenso wie Wert und Sinn von Denkmalschutz und Denkmalpflege. Seit Beginn der Bewegung geschieht dies auch mit großem Zuspruch im Landkreis Landsberg.


Im Jahr 2020 sollte die HOLZKAPELLE bei Beuerbach vorgestellt werden, passend zum Thema Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Neu denken.
Es war geplant, vor allem den Prozess des restauratorischen und pflegenden Arbeitens zu vermitteln, ein „work in progress“ sollte gezeigt werden.

DER TAG DES OFFENEN DENKMALS am 13. September 2020 mit dem Thema

 

Pandemie-bedingt kam es jedoch anders, der traditionelle Denkmaltag wäre in Anbetracht der bundesweiten Vielzahl von Veranstaltungen mit vielen von Denkmal zu Denkmal wandern Besuchern zu einem risikoreichen Großevent geworden. So geht die Kreisheimatpflege gerne ein auf die Anregung der für die Veranstaltung verantwortlichen DEUTSCHEN STIFTUNG DENKMALSCHUTZ, mit Rücksicht auf die Gesundheit von Besuchern und Veranstaltern das ausgewählte Objekt digital und über die Printmedien vorzustellen. Ein Jahr später, im September 2021 soll die Pforte der HOLZKAPELLE dann für die Besucher realiter geöffnet werden.


Am „Holz“, dem Wald südwestlich von Beuerbach, wurde im Jahr 1685 die Figur einer Pietà in einen Eichbaum verbracht, bald war es zu einem Zustrom von Reisenden und Pfarrkindern gekommen. Bereits ein Jahr später wurde an dieser Stelle die kleine Wallfahrtskapelle errichtet.

Tag des offenen Denkmals am 13. September 2020
Votivbild, Ausschnitt

Der Zentralbau mit dem Schindel belegten Kegeldach und dem Zugangsportal nach Osten ist auf einer Votivtafel von 1822/23 deutlich dargestellt, als Rundbau am Waldrand und von Weidetieren umgeben. Darauf schreitet ein Wallfahrtszug prozessionaliter zu: vorneweg die Kinder, gefolgt von Prozessionskreuz und Fahne bei der Gruppe der mit Mänteln bekleideten Männer, schließlich die Frauen, die das Festgewand angelegt haben, die Häupter mit Hüten bedeckt, alle halten den Rosenkranz in Händen. Über dem Wallfahrtsgeschehen wird das Gnadenbild, die Pietà (die Gottesmutter mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß), gezeigt.

Der ursprüngliche Zuspruch der Wallfahrer ließ jedoch nach, von einem Aufleben wird erst aus dem Jahr 1732 berichtet. Neue Bedeutung kam der Wallfahrt in den Seuchenjahren des 18. Jh. zu. Hierzu berichtet die Votivtafel:
Im Jahr 1746, da im Monat August, zu Beurbach und Umgebung unter dem Hornvieh eine leidige Sucht, so/ heftig eingerissen und viele Vieh gefallen, in dieser großen Noth, hat sich das ganze Dorf Beurbach eine heilige/ Andacht zur wunderthätigen schmerzhaften Mutter Maria verlobt und durch dero allvermögende Fürbitt hat die/ Sucht nachgelassen. Im Jahre 1822 trat wieder unter dem Vieh in Beurbach und Riederschaft eine Seuche auf,/ wurde aber durch die Fürbitt Marias geholfen. – Gott sei Lob und Dank.

Tag des offenen Denkmals am 13. September 2020
Kapelle außen

Die Wallfahrt war im Jahr 1822 wiederum gefragt und der Zulauf so groß, dass man zwei Jahre später, im Jahr 1824, den saalartigen Anbau nach Osten errichtet hat, um den Wallfahrern mehr Raum zu ihrer Andacht zu bieten.

Von der ersten Ausstattung im Inneren wissen wir wenig. Für einen Altar und das Vesperbild wurden dem „Bildhauer von Weilheim“ 21 fl bezahlt.

Tag des offenen Denkmals am 13. September 2020
Im Inneren Stuckranken von F.X.Schmuzer, Mitte 18. Jh.

Erhalten jedoch haben sich große Teile der festlichen und wertvollen Ausstattung aus dem mittleren 18. Jahrhundert. Die feinen Stuckaturen mit ihren freiplastischen Knorpelbögen und den Blütenketten sind Franz Xaver Schmuzer zugeschrieben und haben höfische Qualität. Der Altar mit den vier frei stehenden marmorierten Säulen, dem vergoldeten Kapitellen und dem verbindenden verkröpften Gesims ist dem gleichen Meister zugewiesen worden. In seiner großen Nische barg er das Gnadenbild, das bedauerlicherweise einem Kunstraub zum Opfer fiel. Es soll nunmehr wieder ersetzt werden.
Von Bedeutung ist die Nähe des ehem. Jagdschlosses Lichtenberg, für lange Zeit ein beliebter Ort für Sommeraufenthalte des Wittelsbacher Hofes. Es wird erzählt, dass Kurfürst Karl Albrecht (1726-1745) wie auch seine Höflinge in der kleinen Kapelle am Waldrand ihre Andacht verrichtet hätten.

 

 

Tag des offenen Denkmals am 13. September 2020
Das Äußere der Kapelle mit Gerüststellung zur Sanierung der Dächer

Im Verlauf der seit 2014 laufenden Restaurierungs- und Konservierungsarbeiten wurde zunächst das Äußere saniert, vor allem deckte man die Rotunde neu ein.

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Arbeitsgerüst im Innenraum
Tag des offenen Denkmals am 13. September 2020
Kreisheimatpflegerin Dr. H. Weißhaar-Kiem und der Restaurator B. Streicher auf dem Gerüst
Tag des offenen Denkmals am 13. September 2020
Die Hand des Restaurators weist auf die konservierte Stuckranke

Nunmehr ist die Wandfassung im Inneren fertiggestellt, als weitere Arbeiten stehen die Sanierung des Fußbodens und die Konservierung des Altares an.
Es ist zu hoffen, dass alle Arbeiten bis zum nächsten Tag des offenen Denkmals am zweiten Septembersonntag des Jahres 2021 abgeschlossen sein werden und diese kostbare kleine Wallfahrtskapelle der Kirchengemeinde wie auch der Öffentlichkeit zurückgegeben werden kann.

 

Tag des offenen Denkmals am 13. September 2020
Replik einer Pietà als Ersatz für das in den 1980er Jahren entwendete Gnadenbild.

Literatur:

  • Landsberger Geschichtsblätter, 12 (1913), 83-85, 91-95.
  • Bauer, Hermann und Bernhard Rupprecht: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland. 1: Freistaat Bayern, Die Landkreise Landsberg am Lech etc., München 1976, S. 23-24.
  • Heimatbuch für den Landkreis Landsberg am Lech. Hrsg. von Bernhard Müller-Hahl. 2.Aufl. Diessen 1982, S,365.
  • Vollmer, Eva Christina: Ergänzungen zur Schmuzer-Zusammenstellung. In: Lech-Isar-Land, 1984, S. 38-40.
  • Schnell, Hugo und Uta Schedler: Lexikon der Wessobrunner Künstler und Handwerker. München 1988, S. 230.
  • Landkreis Landsberg am Lech. Heimat zwischen Oberbayern und Schwaben. Konzeption Heide Weißhaar-Kiem. Sankt Ottilien 2010, S. 310.
  • Gattinger, Karl und Grietje Suhr: Landsberg am Lech, Stadt und Landkreis. (Denkmäler in Bayern,14.) Regensburg 2014, S. 829.

 

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