Geflügelpestvirus bei Wildvogel im Landkreis Landsberg nachgewiesen

Erster Nachweis in der Region - Ab sofort gilt für sämtliche Geflügelhaltungen Stallpflicht

Am 04.Januar 2021 hat das Landratsamt Landsberg am Lech den Ausbruch der Hochpathogenen Aviären Influenza (Geflügelpest) bei Wildvögeln amtlich festgestellt. Bei einem an der Lechstaustufe in Apfeldorf tot aufgefundenen Schwan wurde durch das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Oberschließheim das H5N8-Geflügelpestvirus nachgewiesen und anschließend durch das nationale Referenzlabor am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) bestätigt.

Für sämtliche Geflügelhaltungen im Landkreis Landsberg gilt ab sofort die Stallpflicht
An den großen Wasserflächen des Landkreises Landsberg (Lech, Ammersee) überwintern viele Wasservögel verschiedenster Arten. Der Leiter des Veterinäramtes, Dr. Michael Veith erläutert hierzu: „Es ist deshalb davon auszugehen, dass das Virus sich bereits in der Umgebung ausgebreitet hat. Aus diesem Grund hat der Landkreis am 04.01.2021 per Allgemeinverfügung eine kreisweite Stallpflicht für alle Arten der Geflügelhaltung verfügt. Diese gilt für gewerbliche Haltungen genauso wie für Hobbyhaltungen. Kontakte von Hausgeflügel mit Wildvögeln, insbesondere wildlebenden Wasservögeln, müssen unbedingt verhindert werden.“

Der Lech sowie der Ammersee stellen ein großes Brut- und Rastgebiet von Wildvögeln in Süddeutschland dar. Veith erläutert, dass gerade Wasservögel bei der Verbreitung von AI-Erregern besonders relevant sind. „Insofern sind ufernahe Regionen, in denen viele Wasservögel vorkommen, brüten oder rasten (Zugvögel), von besonderer Bedeutung. Aufgrund dessen handelt es sich bei den großen Wasserflächen in unserem Landkreis um Sammel-, Rast- oder Brutorte für zahlreiche Wasservögel verschiedener Arten, wodurch der Landkreis Landsberg am Lech während der Zeit des Vogelzugs ein Risikogebiet hinsichtlich der Einschleppung von Tierkrankheiten sei.

Worauf Geflügelhalter jetzt achten müssen
„Geflügelhalter sollten ihre Tiere möglichst in geschlossenen Ställen auf stallen. Wo kein Stall verfügbar ist, muss die Haltung mindestens unter einer überstehenden, nach oben gegen Einträge gesicherten dichten Abdeckung und einer gegen das Eindringen von Wildvögeln gesicherten Seitenbegrenzung erfolgen“, so Veith. Gitter oder Netze als Überdachung reichen nicht aus. Futter, Wasser und Geräte, die im Geflügelbestand eingesetzt werden, dürfen nicht mit Wildvögeln in Berührung kommen. Außerdem ist auf eine strikte Zugangsbeschränkung zu achten. An den Eingängen zu den Geflügelhaltungen ist eine Schuhdesinfektion durchzuführen. Beim Betreten der Geflügelhaltung ist Schutzkleidung (einschließlich Stiefel) anzulegen, Einwegkleidung ist anschließend unverzüglich im Hausmüll zu entsorgen. Es ist eine Möglichkeit zum Waschen der Hände vor und nach Betreten des Stalles vorzusehen.

Übertragbarkeit auf den Menschen oder auf andere Tiere
Bei den derzeit kursierenden Virustypen H5N8, H5N5 und H5N3 wurde bisher keine Übertragung auf den Menschen oder auf andere Tiere wie beispielsweise Hunde oder Katzen festgestellt. Für Hunde- und Katzenhalter ist jedoch immer eine gewisse Vorsicht geboten. Der Kontakt mit Kadavern sollte vermieden oder soweit möglich unterbunden werden (z.B. beim Ausführen von Hunden oder bei der Jagd). Es sollte stets die Möglichkeit der leichten und folgenschweren Übertragung auf Geflügelbestände bedacht werden - ob über die eigene Kleidung, die Schuhe oder auch über den Hund, der an einem Kadaver zu Gange war.

Was beim Auffinden verendeter oder erkrankter Wildvögel zu tun ist
Das Veterinäramt Landsberg bittet, verendete oder erkrankte Wildvögel nicht anzufassen und nicht mitzunehmen, sondern sich direkt an das Veterinäramt Landsberg, Telefon: 08191-129-1374 bzw. außerhalb der Dienstzeiten die Leitstelle Fürstenfeldbruck, Tel. 112 zu wenden. Zu melden sind verendete, verunfallte oder erkrankte Wasservögel jeder Art, außerdem Greifvögel, Eulen und Rabenvögel (einschließlich Elstern und Eichelhäher), außerdem Häufungen von Totfunden und Erkrankungen von Vögeln jeder Art.

Ausbruchgeschehen der Geflügelpest seit Ende September in Norddeutschland
Seit Ende September grassiert vor allem an der deutschen Nordseeküste, aber auch in anderen Teilen von Norddeutschland sowie an der niederländischen und belgischen Küste auf sehr dynamische Weise die Geflügelpest. Dabei zeichnen sich im Besonderen hohe Verluste bei wildlebenden Wasservögeln deutlich ab. Allein in Schleswig-Holstein wurden bis Weihnachten fast 16.000 tote und sterbende Wasservögel erfasst. Betroffen sind überwiegend Wildgänse, aber auch Wildenten, einzelne Schwäne, viele Limikolen (Watvögel), ferner Möwen, Reiher und immer wieder auch Greifvögel und einzelne Eulen. Greifvögel infizieren sich oftmals durch das Fressen von Aas verendeter Vögel.
Bislang konnten die Virustypen H5N8 und H5N5 nachgewiesen werden. Der Virustyp H5N3 kommt neuerdings hinzu. In Norddeutschland kommt es außerdem vermehrt zu Seuchenausbrüchen in Hausgeflügelbeständen, das heißt betroffen sind u. a. Hobbyhaltungen als auch große gewerbliche Haltungen. Weiter südlich gab es bisher nur wenige Einzelnachweise bei Wildvögeln am Niederrhein, in Hessen, Baden-Württemberg, Sachsen und bei Passau. Aus der Lech- und Ammerseeregion liegen bisher keine weiteren Seuchenfeststellungen vor.

Definition: Hochpathogene Aviäre Influenza
Die Aviäre Influenza ist eine Infektion von Vögeln (lateinisch avis= Vogel) mit Influenza-A-Viren. Nach der Schwere der Krankheitserscheinungen unterscheidet man die Hochpathogene Aviäre Influenza (Highly pathogenic influenza, HPAI), auch Geflügelpest oder umgangssprachlich „Vogelgrippe“ genannt, und die Niedrigpathogene Aviäre Influenza (Low pathogenic influenza, LPAI). Die Erreger werden nach bestimmten Oberflächenantigenen als HxNy benannt. In der Region wurde nun aktuell der auch in Norddeutschland hauptsächlich auftretende Virustyp H5N8 nachgewiesen. Seuchenausbrüche mit Influenza-A-Viren der Subtypen H5 und H7 werden auf der Basis der Geflügelpestverordnung staatlich bekämpft. Die Hauptsymptome der Geflügelpest sind zunächst ein drastischer Rückgang der Futteraufnahme bei ansteigendem, später nachlassendem Wasserbedarf, bei Legetieren Einbruch der Legeleistung. Es folgen Apathie, Atemnot, Schwellung und Blauverfärbung der Kopfregion, Durchfall und Verhaltensstörungen als Anzeichen einer Gehirnbeteiligung. Die Sterblichkeit ist enorm hoch. Bei Wildvögeln werden die Tiere meist bereits tot aufgefunden. In der Regel erkranken Hühnervögel wie Haushühner und Puten schwer, während Enten, Gänse und Schwäne symptomlos infizierte Überträger sein können. Wie das aktuelle Seuchengeschehen zeigt, können jedoch auch Enten, Gänse und Schwäne schwer erkranken und an der Tierseuche sterben. Die Bodenseeregion verzeichnet aktuell keine nennenswerten Sterberaten von Wildvögeln und Nutzgeflügel. Alle Maßnahmen dienen der Prävention, um ein dramatisches Seuchenszenario wie in Norddeutschland zu verhindern.

Das letzte schwere Geflügelpestgeschehen war im Winter 2016/2017 zu verzeichnen und wurde durch den Virustyp H5N8 verursacht. Zuvor war der Landkreis Landsberg bereits 2006 von einem Ausbruch der Geflügelpest betroffen.

 

 

Wenn Sie zustimmen, verwenden wir an mehreren Stellen Cookies und binden externe Dienste und Medien ein. Weitere Informationen dazu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Bitte wählen Sie nachfolgend, welche Cookies gesetzt und welche externen Ressourcen geladen werden dürfen. Bestätigen Sie dies durch "Ausgewählte akzeptieren" oder akzeptieren Sie alle durch "Alle akzeptieren":

Durch das Laden dieser Ressource wird eine Verbindung zu externen Servern hergestellt, die evtl. Cookies und andere Tracking-Technologien verwenden. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Externe Medien erlauben