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Experten-Workshop zum Klimawandel: Landkreise wollen sich auf prognostizierte Folgen einstellen

Die Kreise Landsberg am Lech und Unterallgäu ziehen auf Expertenworkshop Schlüsse aus gemeinsamer Klimastudie

Heiße, trockene Sommer, weniger Schnee, Starkregen, Sturm - dem Klimawandel werden viele Folgen zugeschrieben.  Doch wie ändert sich das Klima in unserer Region? Auf welche Folgen müssen sich hier Landwirte, Forstwirte, Unternehmer, Touristiker und Bürger einstellen?

Die Landkreise Landsberg am Lech und Unterallgäu wollen sich auf die Zukunft vorbereiten und haben bei der Universität Augsburg und dem Karlsruher Institut für Technologie eine Klimawandel-Studie in Auftrag gegeben. Nachdem die Ergebnisse der Studie im Landkreis Landsberg am Lech bereits im Umweltausschuss und im Kreistag vorgestellt wurden, trafen sich Fachleute beider Landkreise in Mindelheim um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Regionale Unterschiede

„Die Auswirkungen des Klimawandels fallen regional sehr unterschiedlich aus. Das müssen wir kennen um auf Landkreisebene zielgerichtet reagieren zu können“, hob die Landsberger Klimaschutzmanagerin, Andrea Ruprecht hervor.  Studienleiter Professor Harald Kunstmann stellte den Experten aus den beiden Landkreisen die Ergebnisse der Studie nochmals zusammengefasst vor. 

Kunstmann machte deutlich: Wie auf der ganzen Welt steigen auch in den Landkreisen Landsberg am Lech und Unterallgäu die Temperaturen, sogar weit stärker als im globalen Durchschnitt. „Das liegt vor allem an der größeren Entfernung des Voralpenraums zu den Meeren, die große zusätzliche Wärmemengen aufnehmen“, erklärte Kunstmann. Der Temperaturanstieg in der Region fällt saisonal unterschiedlich aus. Die insgesamt höheren Temperaturen führen laut Kunstmann auch dazu, dass sich die klimatologische Vegetationsperiode um bis zu einem Monat verlängert - also die Zeit, in der aufgrund der Temperatur theoretisch Pflanzenwachstum stattfinden kann.

Lokal und saisonal sehr unterschiedlich fallen auch die Prognosen für Niederschläge aus. Insgesamt werden vor allem im Winter und Herbst die Niederschlagsmengen weiter steigen. Im Frühjahr und Sommer werden aber einige Gebiete in den Landkreisen Unterallgäu und Landsberg am Lech auch von verlängerten Trockenperioden betroffen sein, machte Kunstmann deutlich.

Welche Auswirkungen die prognostizierten Klimaveränderungen konkret haben können, erläuterte Dr. Hans-Jörg Barth vom Energie- und Umweltzentrum Allgäu (eza!). In Trockenperioden könne etwa regional das Wasser knapp werden. Starkregen hingegen könne die Abfluss-Infrastruktur überlasten. Gesundheitlich werde vor allem die Hitze älteren und kranken Menschen zu schaffen machen. In der Land- und Forstwirtschaft könnten deutlich mehr Pflanzarten unter veränderten Klimabedingungen in ihrem Wachstum beeinträchtigt werden.

In mehreren Arbeitsgruppen berieten die anwesenden Vertreter aus den Bereichen Gesundheit, Sicherheit, Land- und Forstwirtschaft, Naturschutz, Wasserwirtschaft, Bauwesen, Wirtschaft und Tourismus über das weitere Vorgehen in ihren Bereichen. Einiges passiert bereits, so ist es für Gemeinden und Wasserwirtschaftsämter die Notwendigkeit von Hochwasserschutzmaßnahmen schon längst bewusst. Auch Katastrophenschutz sowie Gesundheitsämter befassen sich mit der Thematik. Im Unterallgäu etwa gibt es ein Polleninformationsdienst für Allergiker.  Doch auch in diesen Bereichen wurden neue Aspekte und Vorschläge ausgearbeitet.

Zum Beispiel wurde deutlich, bei der Ausweisung von Baugebieten müssten die neuen Bedingungen berücksichtigt werden, indem etwa in Zisternen das Regenwasser aufgefangen und in Trockenperioden genutzt werden kann. Im Tourismus lohne es sich, auf die Vermarktung „kühler Plätze“ zu setzen, beispielsweise auf Trends wie Waldbaden oder Radeln an Flüssen. Und in der Land- und Forstwirtschaft müssten alternative Bepflanzungen erprobt und die Ökosystemleistungen verbessert werden um extreme Wetterereignisse besser abzupuffern. Ein wichtiges Projekt dazu ist beispielsweise „Links4Soils“ das bereits im Landkreis Landsberg am Lech unter Beteiligung mehrerer Gemeinden, läuft.

Einig waren sich alle Beteiligten: Beide Landkreise wollen weiterhin Klimaschutzmaßnahmen umsetzen, um den Klimawandel so gut es geht einzudämmen. Doch anhand der Studienergebnisse sollen nun auch konkrete Maßnahmen erarbeitet werden, um sich an die nicht mehr abwendbaren Klimaänderungen anzupassen, Potentiale zu nutzen und Schäden zu verhindern.  Für die Klimaschutzfachbereiche fängt mit der Auswertung der Ergebnisse des Workshops, ein neuer und umfangreicher Arbeitsbereich zur Umsetzung der Klimaschutzkonzepte beider Landkreise an.

Internet: Klimaschutz Landkreis Landsberg am Lech